MTB Klassifizierung

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MTB Klassifizierung 2019-04-17T22:08:41+02:00

MOUNTAINBIKE: KLASSIFIZIERUNG, AUSSTATTUNG, EINSATZBEREICHE

Das Mountainbike gibt es nicht. Auch die Unterscheidung nach Laufradgröße bringt nicht weiter. Sowohl bei den 29-Zöllern (Twentyninern) als auch bei den 27,5-Zöllern gibt es deutliche Unterschiede. Gleiches gilt für die Differenzierung nach Hardtails und Fullys.

Unter dem Oberbegriff Mountainbike wird eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Räder angeboten. Zentrale gemeinsame Eigenschaft ist die Geländetauglichkeit, die auf einer speziellen Rahmenform und der breiten Bereifung basiert. Trotzdem gibt es Unterschiede und die Bikes lassen sich verschiedenen Kategorien zuordnen. Diese auseinander zu halten ist allerdings alles andere als einfach.  Dass liegt vor allem daran, dass die Produzenten ihre Bikes unterschiedlich bezeichnen und immer wieder verwirrende Unter-Kategorien bilden.

Das Touren-Bike: Wenn wenig Dämpfung erforderlich ist

MTB Tourenbike

MTB als Tourenbike

Das Touren-MTB kann als Hardtail oder Fully ausgelegt sein und wird bevorzugt für längere Touren im moderaten Gelände genutzt. Als Hardtail ist es charakterisiert durch einen festen Rahmen der fast immer mit einer  Federgabel ausgestattet ist, hinten aber ohne Dämpfer auskommt. Mountainbikes dieser Kategorie gibt es bereits für einige hundert, jedoch auch für einige tausend Euros. Gewöhnlich bestehen die Rahmen aus Aluminium, zunehmend wird jedoch auch Carbon eingesetzt. Die Ausstattung der Bikes kann sehr unterschiedlich ausfallen, was sich vor allem auf die Federgabel, die Schaltungskomponenten und Bremsen bezieht. Das Gewicht eines Hardtails liegt zwischen 8 und 13 Kilogramm.

Verfügt das Mountainbike neben einer Federgabel zusätzlich über einen Hinterbau-Dämpfer wird es zu einem Full-Suspension-Bike oder kurz: zu einem Fully. Die Federwege der Dämpfungselemente liegen meist bei 80 bis 100mm, was für längere Distanzfahren auf Naturwegen meist ausreicht. Weniger geeignet sind diese Bikes für gewagte Sprünge oder für den Einsatz im Bikepark.  Bike (und Fahrer) würden dabei mit Sicherheit Schaden nehmen.

 

Cross Country / Marathon Mountainbike: Wettkampfmaschine für Ambitionierte

CC/Marathon MTB

MTB für Cross Country und Marathon

Das Cross Country Mountainbike eignet sich für Fahrten auf geblocktem Gelände und auf  Wegen mit Single-Trail-Charakter. Räder dieser Kategorie, für Wettkampfeinsätze wiegen oft weniger als 10 Kilogramm, während etwa zwölf Kilo das übliche Gewicht bei Cross Country Rädern für den Breitensport sind. Ein besonderes Augenmerk wird bei diesen Rädern auf die Bremsen gelegt. Hydraulische Scheibenbremsen sind fast schon obligatorisch. Der Fahrer nimmt auf einem Cross Country Mountainbike eine eher gestreckte Sitzposition ein. Der Federweg beträgt vorne und hinten meistens rund 100 bis 120 mm. Beim Rahmenmaterial setzen die Hersteller auf Aluminium und vermehrt auch auf Carbon.

 

All Mountain: Universell für jedes Gelände

Bergamont Allmountain MTB

Allmountain MTB

Eigentlich schmückt sich das All-Mountain Bike mit einem falschen Namen.  Denn einsetzen lässt es sich nicht nur in „allen Bergen“, sondern in jedem Gelände. Trotzdem zählen anspruchsvolle Fahrradtouren im Gebirge zu seinen bevorzugten Einsatzgebieten. Das Gewicht eines All Mountain Bikes liegt zwischen elf und fünfzehn Kilogramm.  Es verfügt über breite Reifen, die sowohl für den Einsatz im schweren Gelände mit steilen Abfahrten als auch auf befestigten Wegen und Straßen geeignet sind. Die Sitzposition ist bei einem All Montain Bike zwischen einer gestreckten und einer aufrechten Position anzusiedeln. Die Federwege sind zwischen 100 und 140 Millimeter lang. Das Hauptaugenmerk dieser Bike Kategorie liegt eher im Downhill denn im Uphill. Dank ausgeklügelter Antriebseigenschaften wippt beim Uphill der Hinterbau kaum. Bei Abfahrten hingegen liegt dieses Mountainbike satt auf der Strecke und kann seinen Federweg voll ausspielen. Der bei anderen Kategorien häufig angesagte  Leichtbau tritt ab dieser Mountainbike Kategorie in den Hintergrund.

Enduro Bikes: Wenn es steil und ruppig wird

Enduro MTB

Enduro MTB

Enduro Mountainbikes zeichnen sich in ihrer Verwendbarkeit dadurch aus, dass sie besonders für das Bewältigen steiler Steigungen geeignet sind.  Auch einen Besuch  im Bike-Park stecken sie  locker weg.  Sie wiegen zwischen 12 und 16 Kilogramm und verfügen über einen Federweg zwischen 130 und 160 mm. Das Fahrwerk kann üblicherweise vom Fahrer selber eingestellt werden. Die Reifen sind sehr breit und besitzen ein überdurchschnittlich starkes Profil. Als Bremsen kommen ausschließlich Scheibenbremsen mit 200 Millimeter Scheiben zum Einsatz. Anders als Freerider können mit dem Enduro Mountainbike  auch längere Strecken problemlos gemeistert werden – dank fortschrittlichster Kinematik.

 

Freerider: Damit die Show nicht zu kurz kommt

Univega Freerider

Freerider von Univega

Das Freerider MTB  wird  in erster Linie für sportliche Darbietungen eingesetzt, bei denen weniger eine schnelle Zeit, sondern eher schwierige und gewagte Sprünge zählen. Unterschieden werden von den meisten Herstellern Freerider für einen derartigen sportlichen Einsatz, welche mitunter mehr als zwanzig Kilogramm wiegen und über einen Federweg von 200 bis 210 Millimetern verfügen sowie einfache Freerider, die bei einem etwas geringeren Gewicht über einen Federweg zwischen 150 und 200 Millimetern verfügen. Letztere kommen bei steilen Abfahrten zum Einsatz, werden aber nur für wenige und kleine Sprünge benutzt. Alle Freerider sind besonders für steile Abfahrten im Gelände geeignet, lassen nur bedingt den Aufstieg auf steile Berge zu. Erforderlich für die gleichzeitige Bewältigung beider Aufgaben ist eine breit angelegte Schaltung und hoch wirksame Scheibenbremsen.

 

Downhill Bikes: Wenn das Ziel immer unten liegt

Downhill MTB von Haibike

Downhill-Bike von Haibike

Der Name ist Programm: Ein Downhill-Bike ist in erster Linie für steile und schwere Abfahrten konzipiert. Bergauf-Fahrten sind damit kaum möglich. Die Räder wiegen bis zu 22 Kilogramm, dieses Gewicht ist zur Wahrung der Stabilität bei rasanten Abfahrten unabdingbar. Martialisch wirken diese Fahrräder durch ihre Reifen, die mit Breiten zwischen 54 und 76 Millimetern die Blicke auf sich ziehen. Spezielle Federgabeln mit Eintauchtiefen bis über 200 Millimeter sind ebenso selbstverständlich wie hydraulische Scheibenbremsen mit maximalen Scheibendurchmessern. Wer auf dem direkten Weg am schnellsten nach unten will sollte das Angebot an Downhiller genau sichten.

 

Fatbikes: Auf dicken Reifen durch Sand, Schnee und Schlamm

Fatbikes sind die neueste Entwicklung auf dem  Mountainbike Markt. Dabei gibt es das „fette Fahrrad“ schon seit über 20 Jahren. In Alaska nahm Fatbiking angeblich seinen Anfang. Dort schweißten unerschrockene Radler kurzerhand zwei Felgen

Haibike Fatbike

Fat-Bike für Schlamm, Schnee und Sand

zu einer zusammen und montierten handgenähte Reifen, um im verschneiten Norden biken zu können. Doch auch in den Wüsten der USA sind Fatbikes seit Dekaden im Einsatz. Damit sind die bevorzugten Einsatzgebiet für Bikes dieser Kategorie beschrieben: Schnee, Schlamm und Sand sowie loser Schotter mit Steinen unterschiedlicher Größe.

Seit geraumer Zeit bewegen sich Fatbikes aber immer mehr in Richtung Trailbike. Mit „zivilen“ Geometrien und fast grenzenloser  Traktion sorgen diese Bikes für Fahrfreude und Sicherheit. Auch mit einer Reifenbreite von bescheidenen  4 Zoll (möglich sind auch 4,7 Zoll)  driften sie kontrolliert durch Kurven, setzen vor allem bei widrigen Bedingungen neue Maßstäbe.  – und prädestinieren sich so als spaßiges Zweit-Bike speziell im Winter.

Trotz guter Eigendämpfung der Reifen sind sind Fatbikes mittlerweile mit Federgabeln und häufig auch mit Hinterbau-Dämpfern ausgestattet. Statt Kettenschaltung kommen manchmal leichte, weitgehend wartungsfreie,  Getriebeboxen  (Pinion, Rohloff) zum Einsatz.

 

Die richtige Wahl erspart viel Qual

Es kann nicht eins für alle geben. Twenty Niner oder 27,5-Zöller, Fully oder Hardtail, Marathon- oder Enduro-Bike. Vor der Entscheidung für ein MTB steht die genaue Definition des geplanten Einsatzbereichs. Wer gerne lange Strecken auf Naturwegen zurücklegt ist mit einem Allmountain oder einem Hardtail der Kategorie Marathon/Cross Country in der Regel bestens bedient. Ein Fully dieser Kategorie lässt sich fast schon universell nutzen. Spezialisten die sich überwiegend bergab bewegen,  sollten eher auf ein Enduro- oder gar Downhill-Bike zurückgreifen.

Wer sich dagegen mit einem Marathon-Bike im Bike-Park tummelt, ruiniert sein Fahrrad und gefährdet seine Gesundheit. Und wer mit einem Freerider steile Berge hochfahren möchte, wird deutlich mehr Qual als Freude erleben. Natürlich ist auch der Preis ein entscheidendes Kriterium. Räder für ambitionierter Biker liegen selten unter tausend Euro. Und nach oben existieren  kaum Grenzen. Genau hinsehen und der  Blick auf die Unterhaltskosten können sich auszahlen. Erschwert wird die Auswahl durch den Umstand, dass mittlerweile in allen Kategorien  Bikes mit leistungsfähigen Elektromotoren angeboten werden.